Von Martina Schäfer haben wir in der Bücherbar bereits einige Bände ihrer Krimi-Reihen um das Sauerland-Team und die Archäologen Dr. Johanna Schmid und Prof. Joachim Drahm vorgestellt. (Und werden versuchen, alle Bände beider Reihen nach und nach vorzustellen.) Leider ist die Autorin Ende letzten Jahres unerwartet und viel zu früh verstorben. Mitte Januar erscheint bei Machandel posthum ihr letzter Roman - auch ein Kriminalroman aber nicht wie wir ihn üblicherweise kennen. In diesem leicht schrägen und satirischen Roman stehen nämlich keine menschlichen sondern tierische Täter und Ermittler im Mittelpunkt. Genauer gesagt sind Dinosaurier die Protagonisten in Martina (Gertrud) Schäfers letztem Roman.
Tyrannosaura, Ehefrau von König Tyr, wurde ermordet, während sie ihre soeben erst abgelegten Eier bewacht.
Dieser Mord an der Königin ist mehr als rätselhaft. Ein Motiv ist nicht erkennbar, und kaum ein anderer Dinosaurier hätte es mit ihrer Größe und Kraft aufnehmen können.
König Tyr ist außer sich vor Trauer und Wut, und neben der Frage nach dem Töter sorgt er sich auch, was jetzt aus seinem noch nicht geschlüpften Nachwuchs wird.
Schritt für Schritt wird der Fall von den anwesenden Dinosauriern analysiert. Da gibt es den Aufklärer Stag, intelligent, empathisch, ein Stegosaurus, der faucht und seine Waffen einzusetzen weiß und dessen scharfer Verstand jede Spur interpretiert, oder Triz und Co, die Triceratops-Truppe, deren Hilfsdienste unentbehrlich sind.
Aber reichen diese Fähigkeiten, den Mörder zu finden?
Originalausgabe
Broschiertes Buch / Paperback
Von dieser Autorin sind im gleichen Verlag ebenfalls erschienen:
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Unsere Meinung (zu Mord im Pfahlbaudorf):
Wie wäre es, wenn das, was wir so leichtsinnigerweise Geschichte nennen, nicht in Wirklichkeit nur aus Geschichten betehen würde, die sich durch die Auslegungung von (durch parteiische Dritte erstellte und mitunter nicht einmal zeitnahe) Quellen und durch persönlich Sichtweisen ausgelegte Fundstücke der Archäologen zusammengebastelt werden. Wäre es nicht phantastisch, wenn die Archäologen nicht nur vermuten sondern wissen würden, welche Geschichte(n) sich hinter ihren Fundstücken verbergen? Zumindest für die Leser dieses Buches geht dies in Erfüllung. Abgesehen davon, daß es auch ein spannender und unterhaltsamer Kriminalroman ist, der in zwei verschiedenen Zeiten spielt. Wenn die Geschichte unvermittelt mitten in einem Gespräch in der Gegenwart beginnt, treffen die Leser im Umfeld von Ausgrabungen eines Pfahlbaudorfes und im Vorfeld einer damit verbundenen Tagung auf zwei der Hauptfiguren dieses Buches: die Archäologin Dr. Johanna Schmid (deren Titel wie es die Autorin formuliert, frisch ist, wie Holländer Käse an einem Eifeler Marktstand) und ihr Mentor, Professor Joachim Drahm. (Diese beiden sind übrigens auch die Hauptfiguren in den weiteren Bänden dieser Reihe.) Im Laufe dieses unterhaltsamen, lockeren Wortgeplänkels lernen die Leser ganz nebenbei auch die beiden näher kennen, erfahren, welcher privaten und beruflichen Ausrichtung sie angehören. Dies fanden wir besonders bei Dr. Schmid am Anfang etwas übertrieben und hätte vielleicht etwas unauffälliger und unaufdringlicher und mehr verteilt in die Geschichte eingebunden werden können. Für manche Leser könnte dieser wissenschafts- und feminismuslastige Einstieg vielleicht etwas abschreckend wirken, aber wir können nur empfehlen, sich davon nicht vom Weiterlesen abhalten zu lassen - es lohnt sich wirklich. Die Einleitung ist auf jeden Fall nicht unwichtig, da es im weiteren Verlauf nicht unwichtig ist, daß die verschiedenen Personen dieses Wissenschaftler-Panoptikums unterschiedlichen Weltsichten frönen - und das mehr oder weniger besessen. Doch diese lockeren Einstiegsszenen werden wenig später abrupt gestoppt, als Dr. Schmid bei einem geplanten Vorstellungsgespräch statt auf den ersten Toten dieses Buches trifft. Zusammen mit ihrem Mentor muß sie zudem feststellen, daß ihr vorgesehener Gesprächspartner keines natürlichen Todes gestorben ist. Aber wer könnte solch einen harmlosen, wenn auch etwas sehr konservativen alten Herrn erschießen? Der bald eintreffende Kommissar macht kurzerhand Professor Drahm zu seinem Assistenten und die beiden machen sich an die (nicht immer ganz regelkonformen) Ermittlungen, die sich dank einiger höchst eigen- wie unwilliger Tagungsbesucher als Zeugen oder Verdächtige und wenig später eines weiteren Toten als äußerst verwickelt erweisen. Daneben ermitteln Dr. Schmid und Professor Drahm auch auf eigene Faust. Aber bevor es soweit ist, wechselt nach etwa 15 Seiten nicht nur das Schriftbild. Wurden die ersten Seiten in der dritten Person erzählt, werden die nun folgenden, fett gedruckten Absätze aus der Sicht einer Ich-Erzählerin geschrieben. Darüber hinaus finden sich die Leser in einer weit zurückliegenden Zeit wieder, in der ebenfalls ein Toter aufgefunden wird. Auch hier gibt es neben der Erzählerin einige interessante Personen, die zusammen mit ihr herauszufinden versuchen, was mit dem Toten geschehen ist und wer ihn getötet hat. In den rund fünf Seiten, die diese zweite Erzähl und Zeitebene einleiten, erfahren die Leser einiges über die Szenerie, in der diese Teile des Buches spielen und daß es neben der Gesellschaft, in der die Erzählerin lebt, noch eine Siedlung von fremden Händlern gibt, mit denen aufgrund der unterschiedlichen Kulturen und eines Vorfalls in der Vergangenheit ein gespanntes Verhältnis besteht. Gegen Ende dieses Teils wird deutlich, daß es sich bei der Erzählerin und ihren Gefährtinnen um die Bewohnerinnen eines Pfahlbaudorfes handelt. Auf dieser Ebene, mit der, was uns betrifft, dieses Buch deutlich besser (und für manche Leser weniger abschreckend) hätte beginnen können, erhalten die Leser unterhaltsame und spannende Einblicke in das Leben in der Jungsteinzeit. Auch in diesem Teil gibt es neben spannenden auch witzige und romantische Teile und eine ganz spezielle Sprache. Neben den verzwickten Ermittlungen in mehreren Mordfällen kommen sich einige Vertreter von Pfahlbaudorf-Bewohnerinnen und Händlern näher und wachsen Veständnis zwischen den Kulturen und in einigen Fällen sogar Zuneigung zueinander. Sehr zum Unwillen einiger weniger weltoffener Personen, die auf festgefahrenen Vorstellungen und Sichten beharren. (Etwa, daß es in ihrer Gesellschaft absolut unmöglich und undenkbar ist, daß Frauen andere Menschen töten.) Allerdings versuchen schließlich ein älterer und ein junger Händler zusammen mit der Erzählerin den Mordfall zu lösen und entwickeln dabei einige interessante Ermittlungs-Methoden. Dieser Teil mit seinen zum Teil sehr sympathischen Personen hat uns von den drei Erzählebenen auch am besten gefallen. In einer dritten Ebene stoßen die Leser schließlich noch auf kursiv gedruckte Texte, die am 7. Juli beginnen und nach diversen Einträgen, die sich immer mit den beiden anderen Erzählebenen abwechseln, mit einem Eintrag vom 16. Oktober unvollendet aber effektvoll abbrechen und den Kreis zum Anfang der Geschichte schließen. Sie scheinen einem Tagebuch zu enstammen, allerdings kommen Autor und Zusammenhang mit den beiden anderen Erzählebenen erst nach und nach (und mit Hilfe einer anderen Ebene) ans Licht. Was uns etwas gefehlt hat, war ein Glossar, in dem einige der wisenschaftlichen Fachausdrücke und Hintergründe erklärt werden.
Interessant und spannend ist auch immer, zu sehen, wie die Ereignisse in der Jungsteinzeit und die Ermittlungen dazu in der Gegenwart zusammenspielen (oder auch zusammenpassen). Insgesamt war dies für uns ein ebenso spannender wie unterhaltsamer Krimi auf zwei Zeit- und drei Erzählebenen, bei dem die Leser noch ganz nebenbei Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb erhalten und das eine oder andere über das Leben in der Jungsteinzeit erfahren. Ja, die Autorin läßt die Zeit um 4000 vor unserer Zeitrechnung wieder richtig lebendig werden. Dazu kommen dann noch in der Gegenwart die Machos, Chauvis und mehr oder wneiger fanatischen Femnistinnen und Matriarschatsverfechterinnen, die für zusätzliches Reibungs-(und Unterhaltungs)potentatial sorgen oder auch weniger ernsthaft in den Wortgefechten zwischen den beiden Hauptpersonen mit einem Augenzwinkern eingebracht werden. Und da das Ganze noch mit einer guten Portion Humor und Selbstironie geschrieben ist, macht das Lesen einfach nur Spaß. Für uns ist dieser erste Band der Ärchäologie-Krimis mit dem Ermittlerpaar Dr. Johanna Schmid und Professor Joachim Drahm auf jeden Fall ein uneingeschränkter Tip und sicher ein guter Anreiz, auch die weiteren Bände dieser Reihe zu lesen.
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